Scheidungskosten

Die Kosten einer Scheidung setzen sich zusammen aus Anwaltskosten und Gerichtskosten. Sie werden durch das Gesetz festgelegt und richten sich nach der Höhe des Einkommens der Ehegatten. Nach  § 43 FamGKG   ist dessen Höhe  grundsätzlich das 3x des Nettoeinkommens jedes Ehepartners. Auch das Vermögen der Ehepartner soll Berücksichtigung finden.  Hinzu kommt bei Ehen von über 3 Jahren der Streitwert des Versorgungsausgleichs, der nach § 50 FamGKG 10 % des Streitwerts der Scheidung pro Versorgungsanwartschaft  beträgt. Für jedes Kind ziehen viele Gerichte 250 Euro vom Streitwert ab. Aus diesem Streitwert erhält jeder Anwalt eine Verfahrensgebühr Nr. 3100, 1008 VV RVG: 1,3 und eine Terminsgebühr Nr. 3104 VV RVG: 1,2. Das Gericht erhält nach dem  FamGKG  Nr. 1110 eine Gerichtsegebühr von 2,0. Diese muss vorab mit dem Scheidungsantrag gezahlt werden. Mit unserem Rechner können Sie die ungefähren Kosten für die Scheidung (ohne Versorgungsausgleich) errechnen. Der genaue Betrag steht erst mit Abschluss des Scheidungsverfahrens und Festsetzung des Streitwertes durch das Gericht fest:

Kosten von Gerichtsverfahren

Die Kosten eines Gerichtsverfahrens sind abhängig von dem vom Gericht festgesetzten Streitwert. Nach diesem richtet sich auch die gesetzliche Vergütung von Anwälten. Insbesondere bei niedrigen Streitwerten kann es sein, dass Ihr Anwalt Sie bittet, eine Vergütungsvereinbarung zu unterzeichnen um eine höhere Vergütung zu erhalten. Die gesetzlichen Kosten können Sie abhängig von dem Streitwert und der Anzahl der Gerichtsinstanzen mit diesem Rechner bestimmen. Die gesetzlichen Streitwerte in Familiensachen sind:

Für die Scheidung nach § 43 FamGKG 3 * das Monatseinkommen beider Eheleute
Für den Versorgungsausgleich nach § 50 FamGKG 10 % Des Streitwertes der Scheidung pro Rentenanwartschaft
Für Sorgerecht und Umgangssachen nach § 45 FamGKG 3000 Euro
Für Unterhaltssachen nach § 51 FamGKG  der monatlich geforderte Betrag * 12 Monate
Für Zugewinnsachen Höhe des geforderten Betrages
Wer zahlt am Ende die Kosten von Gerichtsverfahren im Familienrecht ?
  •  Bei Sorgerechts und Umgangssachen entscheidet das Gericht nach billigem Ermessen über die Verteilung der Kosten (§ 81 FamFG). Dies hat zur Folge, dass in diesen Fällen die Kosten meist “gegeneinander aufgehoben” werden. Dies bedeutet, jeder Elternteil trägt seine Anwaltskosten selbst und die Gerichtskosten werden hälftig geteilt. Dies entspricht meist der Billigkeit, da beide Elternteile mit dem Gerichtsverfahren im besten und gemeinsamen Interesse des Kindes eine Entscheidung herbeigeführt haben.
  • Bei Scheidungen, einschließlich der Folgesachen, bestimmt das Gesetz, dass die Kosten grundsätzlich gegeneinander aufzuheben sind. Dies bedeutet, jeder Ehepartner trägt seine Anwaltskosten und die Gerichtskosten werden hälftig geteilt. (§ 150 FamFG).
  • Bei Unterhaltssachen und Güterechtsachen (wie zum Beispiel der Zugewinn), erfolgt die Kostentragung im Verhältnis des Obsiegens-  und Unterliegens im Verfahren (§ 112 FamFG, § 113 FamFG, § 91 ZPO)
Verfahrenskostenhilfe

Gerichtsverfahren sind mit Kosten verbunden. Der Staat möchte jedoch sicherstellen, dass sich jeder mit einem legitimen Anliegen an die Gerichte wenden kann. Daher besteht die Möglichkeit bei geringem Einkommen Verfahrenskostenhilfe für Gerichtsverfahren erhalten. Diese kann in einer Finanzierung durch den Staat bestehen (Verfahrenskostenhilfe mit Ratenzahlung), oder in einer Übernahme der Kosten durch den Staat. Die Verfahrenskostenhilfe wird nach §§ 114 , 115 ZPO erteilt, wenn die Partei aufgrund ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse nicht in der Lage ist die Verfahrenskosten aufzubringen und wenn die beabsichtigte Rechtsverfolgung Aussicht auf Erfolg hat und nicht mutwillig erscheint. Es ist möglich, gerichtliche Anträge unter der Bedingung, dass Verfahrenskostenhilfe erteilt wird zu stellen. Bei der Berechnung wird das Nettoeinkommen zu Grunde gelegt und angemessene Wohn-und Heizkosten berücksichtigt. Außerdem bestehen Freibeträge für Ehepartner und Kinder. Das Schonvermögen beträgt 5000 € (§ 115 ZPO Abs. 3, VO- § 90 SGB XII)

Weitere staatliche Hilfen bei geringem Einkommen
Beratungskostenhilfe

Verfahrenskostenhilfe erhält man für einen Gerichtsprozess.  Bevor man sich hierfür entscheidet, muss man jedoch rechtlich beraten werden. Für außergerichtliche Tätigkeit kann nach § 1 BerGH bei geringem Einkommen ein Anspruch auf Beratungskostenhilfe bestehen. Hierfür müssen Sie den ⏬Antrag auf Beratungskostenhilfe beim Amtsgericht Ihres Wohnortes stellen.

Unterhaltsvorschuss

Der andere Elternteil kann den Unterhalt für die Kinder nicht zahlen.  In diesem Fall können Sie Unterhaltsvorschuss beantragen. Mehr Infos gibt es hier

Wohngeld, Wohnberechtigungsschein

Nach der Trennung eine neue Wohnung zu suchen ist teuer. Hier hilft das staatliche Wohngeld. Mehr Infos gibt es auf der Website des Bundesinnenministeriums. Eine Wohnberechtigungsschein benötigen Sie , um eine geförderte und gebundene Sozialmietwohnung beziehen zu können. Mehr Infos gibt es hier

Rechtsschutzversicherung

Scheidungen und vor Gericht ausgetragene familienrechtliche Streitigkeiten sind in der Regel vom Versicherungsschutz von Rechtsschutzversicherungen ausgenommen. Kosten für einen anwaltlichen Rat oder eine Auskunft werden aber meistens übernommen. Hiemit ist die Erstberatung bei einem Rechtsanwalt gemeint.Der Ehe-Rechtsschutz gilt für beide Ehepartner, so dass jeder Ehegatte versichert ist. So heißt es inm 2.2.11 allgemeine Bedingungen für Rechtsschutzversicherungen:

Beratungs-Rechtsschutz im Familien-, Lebenspartnerschafts- und Erbrechtfür einen Rat oder eine Auskunft eines in Deutschland zugelassenen Rechtsanwaltsin Familien-, Lebenspartnerschafts- und erbrechtlichen Angelegenheiten.Wird der Rechtsanwalt darüber hinaus tätig, erstatten wir insgesamt keine Kosten.