Kindesunterhalt im Wechselmodell

Bei einem Wechselmodell hält sich das Kind bei beiden Elternteilen gleichmäßig lange auf auf, so dass Aufgabenverteilung beim Residenzmodell: Einer betreut und der Andere zahlt; nun nicht mehr passend ist. 

Wann liegt ein Wechselmodell vor ?

Die Gerichte gehen nur dann von einem Wechselmodell aus, wenn die Betreuung tatsächlich hälftig, oder zumindest annähernd, hälftig stattfindet. Zumindest bei einer Betreuung von 60/40 liegt kein Wechselmodell mehr vor und es besteht die alleinige Barunterhaltspflicht des weniger betreuenden Elternteils (BGH 05,BGH 014).

Welche Unterhaltspflichten gibt es beim Wechselmodell?

Früher wurde diskutiert, ob im praktizieren eines Wechselmodells nicht ein genereller gegenseitiger Verzicht auf Kindesunterhalt zu sehen ist. Der BGH  hat dies abgelehnt und sieht beide Elternteile als unterhaltspflichtig in Geld an, wobei sich Unterhaltsbedarf nach dem beiderseitigen Einkommen der Eltern richtet und auch die infolge des Wechselmodells entstehenden Mehrkosten umfasst. Die Höhe der Unterhaltspflicht jedes Elternteils hängt  von dem Verhältnis der Einkommen ab. Der Elternteil mit dem geringeren Einkommen kann für das Kind daher Unterhalt für das Kind vom anderen Elternteil erhalten (BGH 17).Kommt es zu keiner Verrechnung des Kindergeldes mit den gegenseitigen Unterhaltsansprüchen, ist es möglich die Auskehrung des Kindergeldes isoliert geltend zu machen (BGH 16).

Wer hat den Unterhaltsanspruch?

Der Unterhaltsanspruch steht dem Kind zu. Da sich dieses nicht in Obhut eines Elternteiles befindet (§ 1629 Abs. 2 BGB), muss der Elternteil, der weniger Einkommen hat, sich durch ein vorgelagertes Gerichtsverfahren die Erlaubnis übertragen lassen den Unterhaltsanspruch für das Kind gegen den anderen Elternteil geltend zu machen.